Zweitmeinung .AI
Das Magazin für digitale Medizin und KI
Mit Prof. Dr. Elsner
Prof. Dr. Christian Elsner
Prof. Dr. Christian ElsnerEditorial

Relevant und Kompakt - ab jetzt unser Motto

Die digitale Transformation im Gesundheitswesen verspricht Effizienz und bessere Versorgung. Doch die Realität zeigt: Der Weg zum Erfolg ist gepflastert mit Hürden, die oft im Vertrauen der Nutzer und der Verlässlichkeit der Systeme liegen. Während KI-Anwendungen zunehmend den klinischen Alltag unterstützen, offenbaren Datenpannen und technische Instabilitäten fundamentale Akzeptanzprobleme.

Auch die geplante Forschungsdatenausleitung aus der ePA birgt Risiken, wenn Transparenz und informierte Entscheidungen fehlen. Dieser Spagat zwischen innovativem Potenzial und den Notwendigkeiten von Sicherheit und Vertrauen prägt die Agenda von Entscheidern. Ohne eine solide Vertrauensbasis und fehlerfreie Prozesse bleiben selbst die vielversprechendsten Ansätze Stückwerk.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Zusammenstellung.

EuerUnterschrift von Christian Elsner
02Studie
Charlotte Fresenius Hochschule
Studie
Material aus dem Masterstudium digitale Medizin & KI

Medizinisches Fachpersonal nutzt KI verstärkt zur Therapieunterstützung

Kurze Einordnung

Eine in JAMA für 2026 publizierte Studie der Harvard Medical School untersuchte die Nutzung der KI-Plattform „OpenEvidence“. Über 2,5 Jahre hinweg wurden die Anfragen von mehr als 950.000 medizinischen Fachkräften erfasst. Die Analyse konzentrierte sich auf die Art und Häufigkeit der Interaktionen mit der KI-gestützten Informationsquelle.

Informationsgrafik zu Medizinisches Fachpersonal nutzt KI verstärkt zur Therapieunterstützung
Faktenbild · Quellen und Nachweise im Beitrag
Der Befund

Insgesamt wurden über 270 Millionen Anfragen an die Plattform gestellt. Die Nutzung durch medizinisches Fachpersonal zeigte über die Jahre einen Anstieg und variierte nach Berufsgruppe und Fachgebiet. Die Anfragen dienten primär der Unterstützung von Therapieentscheidungen, weniger diagnostischen Zwecken.

Die Grenze

Diese Studie ist eine Beobachtungsstudie zu einer spezifischen KI-Plattform, „OpenEvidence“. Sie belegt eine Nutzungssteigerung und -muster, jedoch keine direkten Auswirkungen auf die Behandlungsqualität oder Patientensicherheit. Die Ergebnisse lassen sich nicht pauschal auf andere KI-Anwendungen oder medizinische Kontexte übertragen. Es handelt sich um ein Ärzteblatt-News-Artikel, der über eine zukünftige Veröffentlichung berichtet.

03Praxisfall
Charlotte Fresenius Hochschule
Praxisfall
Material aus dem Masterstudium digitale Medizin & KI

ePA-Befüllungspflicht: Ein Jahr gemischte Bilanz mit technischen und prozessualen Hürden

Kurze Einordnung

Ein Jahr nach Einführung der Befüllungspflicht für die elektronische Patientenakte (ePA) fällt die Bilanz gemischt aus. Während das Bundesgesundheitsministerium und die Gematik positive Aspekte hervorheben, zeigen sich in der Praxis erhebliche Herausforderungen. Dies betrifft die Nutzung durch Versicherte sowie die technische und prozessuale Umsetzung durch Praxen und Kliniken.

Der Befund

Von rund 73 Millionen ePA-berechtigten Versicherten nutzen nur etwa 5 Millionen eine GesundheitsID. Eine Studie zeigt geringes Interesse und Hürden bei der Registrierung; das TI-Dashboard weist zudem unerklärliche Schwankungen bei den Nutzerzahlen auf. Kliniken stehen vor komplexen prozessualen Herausforderungen bei der Befüllung und nutzen die ePA daher bislang wenig. Technische Ausfälle, Anmeldeprobleme und mangelnde Transparenz bei der Ursachenklärung trüben das Bild. Die digitale Medikationsliste wird als Erfolgsbeispiel für die Reduktion von Wechselwirkungen hervorgehoben. Das TI-Dashboard zeigt Schwankungen bei Dokumentenuploads, deren Ursachen oft unklar bleiben.

Die Grenze

Der Artikel beleuchtet den Stand der ePA-Befüllungspflicht ein Jahr nach Einführung (Stand 01.10.2026). Die dargestellten Herausforderungen basieren auf Beobachtungen und Äußerungen, nicht auf einer umfassenden wissenschaftlichen Studie. Daten zur tatsächlichen Nutzung durch Leistungserbringer, etwa zu Aktenöffnungen, sind nicht vollständig erfasst.

04Kurz notiert
Kurz notiert

DiGA-Anbieter HelloBetter meldet Datenpanne nach Cyberangriff

kurzer Kern Der Hamburger DiGA-Anbieter HelloBetter meldet eine Datenpanne infolge eines Cyberangriffs. Unbefugte verschafften sich Zugriff auf ein Business-Intelligence-System und dessen Datenbank. Dabei könnten sensible Nutzerdaten wie Kontaktdaten, Versichertennummern und diagnosebezogene Angaben entwendet worden sein.

Das Unternehmen bemerkte den Vorfall am 7. September 2026 und beendete den Zugriff sofort. Es hat den Vorfall dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie der Hamburgischen Datenschutzbehörde gemeldet. Hinweise auf einen Missbrauch der Daten liegen derzeit nicht vor.

Warum das wichtig ist

Dieser konkrete Vorfall verdeutlicht das hohe Schutzbedürfnis sensibler Gesundheitsdaten bei digitalen Anwendungen. Er zeigt die Notwendigkeit robuster IT-Sicherheitsarchitekturen, insbesondere bei von außen erreichbaren Systemen. Die Angreifer konnten offenbar eigene Zugänge einrichten und Verschlüsselungsschlüssel potenziell mitentwenden.

Die ab Januar 2025 geltenden verschärften BSI-Sicherheitsanforderungen für DiGA, basierend auf der Richtlinie TR-03161, gewinnen hier besondere Relevanz. Führungskräfte sollten die Angriffsvektoren im Blick behalten und die Resilienz der eigenen Systeme prüfen. Es bleibt eine offene Frage, wie viele Personen tatsächlich betroffen sind und welche spezifische Schwachstelle ausgenutzt wurde.

05Kurz notiert
Kurz notiert

KI analysiert Genom für 5 Dollar - auch für jeden Patienten

Der Kern

Ein Wissenschaftler ließ sein Genom für fünf US-Dollar durch eine KI (Claude) in 30 Minuten analysieren. Die KI identifizierte dabei relevante medizinische Informationen, wie ein erhöhtes Alzheimer-Risiko (APOE ε4-Variante) und potenzielle Medikamentenwechselwirkungen. Dies gelang, obwohl das zugrunde liegende Genom über zehn Jahre alt war und technische Limitationen aufwies.

Warum das wichtig ist

Die rasche und kostengünstige Zugänglichkeit von KI-gestützten Genomanalysen birgt Chancen, aber auch Risiken. Angesichts der Limitationen aktueller Sequenzierungsmethoden und Referenzgenome ist die Notwendigkeit robuster medizinischer Qualitätsstandards für solche Analysen dringlicher denn je. Entscheidungsträger im Gesundheitswesen müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie die Verlässlichkeit und Sicherheit dieser Technologien für Patienten gewährleistet werden kann.

Nächste Prüffrage

Welche regulatorischen und klinischen Rahmenbedingungen sind erforderlich, um die Qualität und Validität von KI-basierten Genomanalysen zu sichern, insbesondere wenn diese direkt für Verbraucher verfügbar werden?

06Hacked
Healthcare Hackathon
Mini Hackathon

SOAP-Notizen aus klinischen Daten erstellen

Kurze Einordnung

Dieser Prompt rationalisiert die Dokumentation von Patienteninteraktionen durch die automatische Erstellung von strukturierten SOAP-Notizen (Subjective, Objective, Assessment, Plan) aus vorhandenen klinischen Aufzeichnungen. Er unterstützt so eine konsistente und vollständige Patientendokumentation, was Zeit spart und die Qualität der Aufzeichnungen verbessert. Dies ist entscheidend für die Kontinuität der Versorgung und die Einhaltung medizinischer Standards.

Prompt
„Generiere vollständige SOAP-Notizen (Subjective, Objective, Assessment, Plan) basierend auf den bereitgestellten klinischen Aufzeichnungen oder Untersuchungsbefunden. Ordne die relevanten Informationen präzise den jeweiligen Kategorien zu: Subjektiv (Symptome aus Patientensicht), Objektiv (messbare Befunde), Assessment (medizinische Einschätzung) und Plan (nächste Schritte, Behandlungen, Follow-ups). Achte darauf, dass alle relevanten Details klar, prägnant und logisch strukturiert dargestellt werden. Die klinischen Daten lauten: '[Hier die klinischen Aufzeichnungen einfügen]'.“

Healthcare-Hackathon-Logo

Sicherheitsrahmen: Verwende ausschließlich anonymisierte oder synthetische Informationen. Prüfe jedes Ergebnis fachlich und organisatorisch, bevor du es weiterverwendest. Der Prompt ersetzt keine individuelle Entscheidung oder Prüfung.

„Bevor die Forschungsdatenausleitung startet, braucht es dringend bessere Aufklärungsarbeit (...). Schon zu Beginn des Jahres zeigte eine Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands, dass drei Viertel der Verbraucher:innen nicht über die Forschungsdatenausleitung Bescheid wussten.“

— Lucas Auer, Referent Digitalisierung im Gesundheitswesen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)

Kontext

Ab 2027 werden pseudonymisierte Daten aus der elektronischen Patientenakte (ePA) für Forschungszwecke an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ Gesundheit) übermittelt, beginnend mit der elektronischen Medikationsliste (eML). Die Datenweitergabe erfolgt im Opt-out-Verfahren, ohne aktive Einwilligung der Versicherten. Datenschutzbehörden und Verbraucherschützer kritisieren die unzureichende und schwer zugängliche Aufklärung der Versicherten über diese Datenausleitung und ihr Widerspruchsrecht durch die Krankenkassen.

Warum dieses Zitat zählt

Das Zitat beleuchtet die große Informationslücke bei der bevorstehenden Forschungsdatenausleitung aus der ePA. Für Führungskräfte im Gesundheitswesen zeigt sich hier ein potenzielles Akzeptanzproblem für digitale Gesundheitsanwendungen. Eine mangelnde, transparente Kommunikation der Opt-out-Möglichkeit kann das Vertrauen der Patienten in die Digitalisierung des Gesundheitssystems beeinträchtigen und die politischen Debatten um die Datennutzung weiter anheizen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer proaktiven und verständlichen Kommunikationsstrategie seitens der Leistungserbringer und Kostenträger.

08Termine

Terminzusammenstellung

  • 13. April 2027 – 15. April 2027München

    DMEA 2027

    Europas führende Plattform für digitale Gesundheit, die das gesamte Spektrum der digitalen Gesundheitsversorgung abdeckt, von Krankenhaus-IT und elektronischen Patientenakten bis hin zu Interoperabilität und Datenmanagement.

    Zur offiziellen Terminseite
  • 21. Juni 2027 – 24. Juni 2027RAI Convention Centre, Amsterdam

    HLTH Europe 2027

    Europas führende Veranstaltung für Gesundheitsinnovationen, die Themen wie Digital Health und KI im Gesundheitswesen abdeckt.

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